Ich würde so gerne von schönen Neuigkeiten berichten – doch dem ist leider nicht so.
Seit zwei Wochen geht es mir sowohl physisch als auch psychisch unglaublich schlecht. Und bevor jemand denkt, ich möchte mit diesem Beitrag Mitleid erzeugen: Nein. Das hier soll eine ehrliche Momentaufnahme sein – für alle, denen es genauso geht. Damit ihr wisst: Ihr seid nicht allein. Es ist okay, laut zu sein, wenn man keinen Ausweg mehr sieht. Ohne dafür verurteilt oder kleingeredet zu werden.
Was passiert körperlich mit mir?
Ich leide zurzeit unter extrem starken Schmerzen – vor allem durch meine Spastik, die sich jeden Tag schlimmer anfühlt. Ich schlafe kaum durch, weil meine Beine nachts dauerhaft zucken oder sich verkrampfen. Ohne mein Seitengitter würde ich wahrscheinlich jede Nacht aus dem Bett fallen.
Morgens ist es ein Kampf, in meinen Duschrollstuhl zu kommen – entweder rutsche ich fast raus oder verletze mir durch unkontrollierte Bewegungen meine Füße. Und weil das scheinbar noch nicht genug ist, hat sich die Muskelanspannung mittlerweile auch auf meinen Oberkörper ausgebreitet. Alles ist steif, unbeweglich, und die Schmerzen sind kaum auszuhalten.
Meine Physiotherapeutin hat es mal gut beschrieben:
„Es ist, als würdest du ständig einen Marathon laufen – mit starkem Muskelkater. Deine Muskeln sind dauerhaft angespannt. Stell dir einen Wadenkrampf vor – nur dass er nie wieder aufhört.“
So fühlt sich mein Alltag an. Mein Körper ist einfach durch. Für alles andere fehlt die Kraft.
Es fällt mir unfassbar schwer, in meinem Aktivrollstuhl zu sitzen, ohne nach einer Stunde in Tränen auszubrechen – vor lauter Schmerzen und Erschöpfung. Und bis mein Elektrorollstuhl endlich genehmigt wird, habe ich das Gefühl, dass ich entweder schon bettlägerig bin… oder innerlich aufgegeben habe.
Und psychisch?
Diese körperlichen Schmerzen ziehen auch die Seele mit runter. Ich denke oft ans Aufgeben. Weine mich in den Schlaf und wache mit Tränen wieder auf. Ich sehe morgens keinen Sinn darin, aufzustehen. Mein Tag besteht daraus, in meinen vier Wänden zu sitzen und irgendwie die Zeit totzuschlagen.
„Warum?“ – Diese Frage stelle ich mir ständig, vor allem wenn es still um mich wird.
Die Depression frisst sich immer weiter rein, bis ich in einem Strudel feststecke, aus dem ich alleine kaum noch herauskomme. Ich blicke aus dem Fenster und habe das Gefühl, mein Leben zieht an mir vorbei – ohne dass ich noch Teil davon bin.
Ich fühle mich isoliert, einsam und vom Leben ausgeschlossen.
Und was mir besonders fehlt, sind soziale Kontakte.
Ich vermisse es so sehr, einfach mal am Wochenende rauszugehen, frei zu sein, spontan mit Freunden was zu unternehmen, zu lachen, Abenteuer zu erleben. Dieses Gefühl von Unbeschwertheit – einfach Mensch sein dürfen, ohne immer an Planung, Pflege oder Einschränkungen zu denken. Es tut weh, weil genau diese Dinge früher so selbstverständlich waren.
Ich vermisse alles, was ich vor meinem Unfall hatte – alles, was mir genommen wurde. Der Schmerz darüber sitzt so tief, dass ich manchmal denke, ich werde das nie wirklich akzeptieren können.
Und jetzt?
Ganz ehrlich: Ich weiß gerade nicht, wie es weitergehen soll. Ich weiß nicht, was ich tun kann, damit es mir besser geht. Aber ich weiß, dass ich diesen Schmerz nicht für mich behalten will – und auch nicht muss.
Wenn du das hier liest und dich ähnlich fühlst: Du bist nicht schwach. Du bist nicht zu sensibel. Du bist einfach nur ein Mensch, dem gerade zu viel zugemutet wird. Und du bist nicht allein.
Danke, dass ich diesen Eintrag so offen mit euch teilen durfte.
Danke fürs Zuhören. Fürs Mitfühlen. Und fürs Dasein.
Manchmal ist allein das schon mehr wert, als man denkt.
Wir hören uns bald wieder – in besseren Zeiten.
Bis dahin: Passt auf euch auf, haltet durch, und seid gut zu euch selbst.
Ihr habt mehr Stärke in euch, als ihr denkt.
Mit ganz viel Liebe,
Lina 🩷

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